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Wie geht es eigentlich deinem Feuerpferd?

„Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“. Dieser Titel eines Romans von Selim Özdogan kam mir unvermittelt in den Sinn, als ich den Bericht über die Feuerpferde aus Plüsch las, die sich dank eines Produktionsfehlers wie warme Semmeln verkaufen. Oder besser gesagt, wie warme Teigtaschen, denn die Geschichte spielt in China.

Keiner weiß, ob es sich tatsächlich um einen Fehler handelt oder vielmehr um einen zündenden Taschenspielertrick aus der Marketingabteilung des Herstellers. Tatsache ist: Das rote Stoffpferdchen hatte den üblicherweise lächelnden Mund verkehrt herum aufgenäht und schaut dergestalt abertausendfach traurig ins neue chinesische Jahr, das am 17. Februar beginnt und heuer unter dem Zeichen des Feuerpferdes steht, so wie alle 60 Jahre wieder. Letztmals also im denkwürdigen 1966, als Mao die Kulturrevolution ausrief.

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Im Blogcast lese ich Dir diesen aktuellen Blogartikel vor. Mit Betonung, versteht sich!

Weil es nicht mehr lächelt, sondern die Mundwinkel nach unten ziehen, avanciert das kuschelige Stofftier plötzlich zum Verkaufshit. Täglich treffen 15.000 Bestellungen ein, mittlerweile auch aus anderen Teilen der Welt, wird berichtet. In der Fabrik kommt man mit der Produktion kaum nach. Damit die Kasse fröhlich klingelt, wird selbst bei chinesischen Arbeitszeitmodellen im Sog von 9-9-6 (von neun bis neun an sechs Tagen pro Woche) noch manche Überstunde absolviert werden. Bei Friedrich Merz würde der Glückshut leuchten.

Wie’s aussieht, trifft das rote Stoffpferd mit Frustfresse deshalb ins Schwarze, weil es in der extrem leistungsorientierten Arbeitskultur Chinas zum sinnbildlichen Wappentier vieler Arbeitnehmer:innen geworden ist, als Symbol für Leistungsdruck, Erschöpfung und Burnout. Trübsinn von früh bis spät, gelächelt wird dann erst wieder von spät bis früh.

Das könnte uns hierzulande so sehr interessieren, wie wenn in China ein Drahtesel umfällt. Bei einem zweiten Blick auf die Geschichte, entpuppt sie sich als chinesischer Zauberspiegel, der uns ein schmerzliches Stück unserer eigenen Lebensrealität vor Augen führt. Denn die Feuerpferde, besser: die ehemaligen solchen, gibt es auch in unseren Breiten auf Schritt und Tritt zu besichtigen. Nicht als Stofftier der invasiven Art, sondern als Züchtung auf unseren eigenen kulturellen Weiden, indem wir braven Arbeitstieren materiellen Erfolg und Karriere strukturell als hochkonzentriertes Kraftfutter verabreichen, damit aber einen eklatanten Nährstoffmangel erzeugen, weil darin das lebensnotwendige Vitamin namens Sinn fehlt. Kein Wunder, dass alles aus der Balance kommt, die Mundwinkel steil nach unten zeigen, wir Orientierung verlieren und schwindelnd ins existenzielle Vakuum stürzen. Ins kollektive noch dazu. Das ungelebte Leben als endogenes, als körpereigenes Gift. „Autointoxikation”, würde Dr. House sagen, und „alle Patienten lügen“. In Sachen Erfolg durch Mehr haben lügen wir Patienten uns vor allem einmal selbst an.

Es brennt, es brennt!

Wir haben unserem Narrativ über Arbeit, Erfolg und über ewiges Wachstum als Quelle des Wohlstandes die Zügel schießen lassen. Es ist völlig aus dem Tritt geraten. Wie eben das Feuerpferd und dessen innere Botschaft, die durch den üblichen Alltag unserer Gesellschaft galoppiert.

Das Feuerpferd kombiniert in der chinesischen kosmologischen Metaphorik das Tierkreiszeichen Pferd und das Element Feuer. Es steht in der Yin-Yang-Symbolik für eine hohe Yang-Energie, die männliche, extrovertierte, energiegeladene, ungeduldige Seite.

Während einerseits das Pferd Freiheit, Bewegung, Fleiß, Lebenskraft, aber auch Unruhe und Ungeduld widerspiegelt, bringt andererseits das Element Feuer Hitze, Leidenschaft, Dynamik und Intensität, aber auch Radikalität ins Spiel. Das birgt naturgemäß die Gefahr von Aggressionen und Konflikten, auch gegen und mit sich selbst. Feuer verstärkt alles, was es berührt. Es wärmt. Es verbrennt. Es kennt kein Mittelmaß.

Das Feuerpferd gilt als extrem unabhängig, willensstark bis stur, charismatisch, aber schwer zu zähmen, visionär, aber nicht immer rücksichtsvoll.

Und während so viele, die in ihrem Arbeitsleben dem Ideal des Feuerpferdes nacheifern oder auf ein solches dressiert werden, ihre Stärken wie enorme Lebensenergie, Führungsbereitschaft und Pioniergeist zum Ausdruck bringen, lauern hinter jedem Busch die Risiken wie Selbstüberforderung, Beziehungsprobleme und die Verwechslung von Freiheit mit Flucht und Ruhe mit Stillstand. Selbstoptimierung, Effizienz und Performance heißen die Gangarten.

Brennen oder verbrennen?

Die Frage, der wir uns in dieser Energie zu stellen haben, ist: Wie lebe ich dynamische Freiheit, ohne alles zu verbrennen, und ohne vom Ort in mir, an dem der Lebenssinn wurzelt, an dem ich selbst als Person angewachsen bin, entwurzelt zu werden und auszubrennen? Wie schaffe ich es, nicht nur körperlich leistungsfähig zu sein, sondern auch meine Seele nicht zu erschöpfen? Als Antwort taugen Versuche, das innere Vakuum mit äußeren Belohnungen zu füllen, ausnahmslos nicht.

Wer aber diese Spannung hält, wird nicht zerstörerisch, sondern transformierend. Der rückt seinen Fokus vom erfolgreichen Leben auf das erfüllende, und also auf das gelingende Leben.

Dafür brauchen wir eine, ja, eine Kulturrevolution. Aber eine humanistische, eine menschliche, eine, die jeden von uns und uns alle gemeinsam mit Sinn erfüllt, weil wir unser Potenzial entfalten, jenseits von Erfolgs-, Karriere- und Selbstoptimierungslogiken, die nur in einem logisch sind: Sie produzieren das Gift des ungelebten Lebens in uns.

Aber Achtung! Nicht, dass Erfolg, Karriere und Profit per se schlecht wären. Im Gegenteil! Das ist im Kern schon gut und wichtig. Atmen ist ja auch wichtig. Aber wir leben nicht, um zu atmen, sondern umgekehrt, und sollten dabei tunlichst darauf achten, was wir uns elegant reinsaugen. (Spoiler Alert: Wenn eine Warnung des Gesundheitsministeriums draufsteht, eher nicht einatmen …) Nicht, dass auch Menschen, die ihre erfüllende Aufgabe leben, erfolgreich, reich und schön sein dürfen. Im Gegenteil! Wer denn, wenn nicht die, bitte?

Materieller Erfolg und innerer Sinn schließen einander keineswegs aus. Dass sich wohlwollende Anliegen und wirtschaftlicher Erfolg ausschließen, ist nämlich schlichtweg eine BUST, eine eingetragene BUllshit STory. Das Purpose-Profit-Paradoxon ist tatsächlich ein solches.

Es gibt genügend Zahlenmaterial dafür, dass Unternehmen, die Meaning, also eine Bedeutung, nicht nur im Wege von Meanwashing-Kampagnen vermitteln können, sondern im Handeln tatsächlich erlebbar(!) machen, wirtschaftlich wesentlich erfolgreicher sind als jene, denen Milton Friedman beim Feuerpferd die Räuberleiter macht, auf das sie im gestreckten Galopp ins Shareholder Value Valley preschen mögen. 

Bedeutung glüht von innen.

Meaning/Bedeutung ist mehr als nur das vielzitierte Why/Warum, ist mehr als das, was einem als Purpose von Motivations-Postings und Wandtattoos entgegenlacht. Auch das ist gut und wichtig. Aber es ist längst nicht alles, und wer es dabei bewenden lässt, denkt zu kurz.

Bedeutung entsteht erst, wenn Purpose so verwirklicht wird, dass er für die Menschen in ihrem Leben positiv wirkt. Die Formel für Wirkung lautet: Meaning = relevanter Purpose x erlebbare Aktion. Das beginnt im Unternehmen selbst, in jedem selbst, und dort zuerst bei all jenen, die für die Führung und damit für die Vermittlung von Sinn und die Ermöglichung von Entfaltung Verantwortung tragen.

Du ahnst es schon: Das WARUM braucht unbedingt ein WOFÜR und ein FÜR WEN, damit es glühend wärmt. Während das WARUM nämlich meist um das eigene Ich kreist, weisen WOFÜR & FÜR WEN darüber hinaus. Genau dort beginnt Sinn. Nicht als Gefühl, sondern als Wirkung. Hier liegt der eigentliche Schatz dessen, was man sinnvolle Arbeit nennen könnte. Völlig losgelöst von Positionen, Hierarchien und Karrieren. So wie beim bodenwischenden Hausmeister in der NASA, der zu John F. Kennedy stolz sagte: „I’m helping to get a man on the moon, Mr. President.”

So entsteht bei allen das Gefühl, in ihrem Bereich Relevanz zu haben. Relevanz ist nicht abstrakt, sondern wird handfest spürbar, wenn du erleben kannst, dass dein Tun, dein Wollen, deine Person wichtig ist für das große Ganze, das über das Ego, die Selbstverwirklichung und den Profit hinausreicht. Dann lächelt das Feuerpferd, ausbalanciert zwischen den Polaritäten, dynamisch gespannt und innerlich leuchtend, anstatt im Stress zu verbrennen oder im Frust zu verfaulen, während man einander ringsum „Profit Neujahr!“ zuruft.

Dann verwandelt sich die Geschichte von Arbeit substanziell. Arbeit ist dann nicht länger ein anderes Wort für das Schmerzensloch zwischen „I don’t like Mondays” und „Thank God it’s Friday”. Dann endet die Arbeitswoche nicht mit einer Alkohol-Belohnung per Druckbetankung beim Afterwork am Donnerstag und dem Freitag im Homeoffice.

Dann verwandelt sich das Gift des ungelebten Lebens in ein Lebenselixier. 

Lass dich anfeuern!

Wenn dir beim Stichwort Elixier die viel zitierte und häufig falsch zitierte Heldenreise in den Sinn kommt, denken wir ans Gleiche. Die Heldenreise als Modell der prägenden Geschichten, die wir Menschen uns erzählen, verläuft stets im selben Zyklus. Auf der verwandelnden Reise hin zu ihren Zielen gewinnt die Heldenfigur meist auf mühevollem, schmerzlichem Weg eine notwendige Erkenntnis, mit der sie in Form eines metaphorischen Elixiers zurück in ihre alte Welt kommt und diese damit nährt, heilt, verbessert. Erst dann ist die Reise zu Ende, der Kreis geschlossen, die Aufgabe erfüllt, also wirklich gelungen.

Es geht um das, was nach dem Happy End kommt, also nach dem Profit, nach dem messbaren Erfolg. Es geht um gute Unternehmen, die gut für etwas sind. Apropos: Das gilt für Unternehmen, Teams und Organisationen, zuallererst aber für das Leben jedes einzelnen Menschen selbst und höchstpersönlich. Und somit auch für alle Mitarbeitenden.

Hier liegt der Hund begraben. Viele Menschen und viele Unternehmen beginnen ihre Überlegungen im Außen, mit der Frage: Was sind unsere Ziele, was brauchen wir an Werten und Purpose, damit wir sie erreichen, und wie verkaufen wir das am pfiffigsten in unseren Kampagnen und natürlich auch unseren Mitarbeiter:innen? Darin liegt bereits der Keim des Scheiterns vieler Bemühungen. Der zielführende Weg verläuft nämlich in exakt umgekehrter Richtung.

Die Frage muss lauten: Welche echten Werte haben wir, welches Anliegen ergibt sich daraus, wofür und für wen wollen wir das verwirklichen, und wie finden wir die Menschen, in denen Ähnliches relevant angelegt ist, damit wir sie begeistern können, gemeinsam das Anliegen zu verwirklichen? Daraus folgt Erfolg, der ja eben Er-folg heißt, so wie es Wirtschaft heißt und nicht Ichschaft.

Noch einmal: Die Arbeit beginnt innen und wirkt nach außen. Immer! Ohne Ausnahme. Alles andere ist Marketinggegurgle, frustrierendes Feuerpferdgewiehere und also Lärm vor der Niederlage.

Von innen nach außen wächst substanzieller, auch in Zahlen messbarer Erfolg. Das beginnt schon damit, dass bei Unternehmen mit erlebbarem, authentischem, wohlwollendem Anliegen die Produktivität, die Innovationskraft und der Börsenwert signifikant steigen, während Krankenstände, Recruiting-Kosten und Time to Fill massiv sinken, um nur wenige plakative Beispiele zu nennen. Das kann man ja nicht nicht wollen, oder?

Übrigens: dieselbe Mechanik gilt für jeden Menschen in seinem Leben, für dich, mich und uns alle, dies- und jenseits des Jobs. Man muss nicht im Berufsleben stehen, um sich selbst als wertvoll und relevant zu erleben. Für eine Politik, die nicht strukturell ihren Daseinsgrund schwänzt, sondern endlich wieder mal die Gesellschaft gestaltet, anstatt im Feuerpferdmodus Partikularegoismen auszudealen, ist, ich korrigiere: wäre Feuereifer angesagt, weil es hier ums Ganze geht. Denn wenn über kurz oder lang ein erheblicher Teil der Menschen, die im arbeitsfähigen Alter in Saft und Kraft stehen, aber durch KI ganz einfach in den völlig veränderten Arbeits- und Wirtschaftsprozessen nicht mehr gebraucht werden, was dann? Wer erklärt diesen Menschen, die auf der Basis unserer heute herrschenden Erfolgs-Narrative kaum eine andere Möglichkeit haben, als sich irrelevant zu fühlen und keinen Sinn in ihrem Leben zu erkennen, wer erklärt ihnen die Welt? Trump, Kickl, Höcke? Oder, was man unter Umständen sogar einmal als Glück bezeichnen würde, Heidi Klum, die es bis dahin ins Dschungelcamp geschafft haben dürfte?

Wie wird dieses existenzielle Vakuum gefüllt?

Luft aus, Flamme erstickt.

„Wenn ein Mensch keinen tieferen Sinn im Leben findet, lenkt er sich mit Vergnügen ab,” sagte uns der weise Viktor E. Frankl. – Vergnügen? Was das ist, definiert jeder anders. Manche lesen, viele mehr netflixen, einige sporteln wie die Irren, viele saufen oder ballern sich sonstwie weg, die meisten gehen shoppen. Immer mehr gehen aufeinander los. Bald brennt nicht nur das Pferd, sondern auch die Tapete.

Und eben hier, um aus der Schule zu plaudern, blüht mein persönliches WOFÜR und mein FÜR WEN. Ich bin nämlich zutiefst überzeugt davon, dass die Geschichten, die wir uns selbst und einander über das, was wichtig ist, über das, was wirklich zählt, und darüber, wer wir sind und wofür wir da sind (oder sein könnten), richtig aus dem Ruder gelaufen sind und dass unser kollektives inneres Vakuum kurz vor der Implosion steht. Deshalb helfe ich mit allem, was ich kann, neue nährende Narrative, Storys für Menschen, Marken und Unternehmen, zu finden und, ganz wichtig, erlebbar(!) zu machen.

Das sieht bei mir in der Praxis ganz unterschiedlich aus. Das kann der Blogartikel sein, den du soeben liest, das sind Postings mit Impulsen und Handreichungen für meine Community, das findet in meiner Arbeit als Autor im Entertainment statt. Häufig bringe ich das bei Keynotes und Vorträgen auf die Bühne, bei Impulsreferaten zu Unternehmen, samt den dazu passenden beratenden Begleitungen, bis hin zu Workshops, damit alle, die es wollen, rasch ins praktische Tun kommen. Immer geht es dabei um Impulse für Sinnfindung, die von innen nach außen wirkt – im Job, für Unternehmen & im Leben, damit wir gerade auch in der Wirtschaft ermutigen, ermächtigen und ermöglichen anstatt, wie in den alten Geschichten, das Beherrschen, Bekämpfen und Besiegen, also Destruktion, Dualismus und Düsternis, zu preisen.

So gesehen bin ich Navigationssystem und Mangelwarenlieferant unter einem Hut, Anstifter und Mutmacher dafür, sich ins eigene Leben einzumischen und sich in den Sattel seines wohlbalancierten Feuerpferdes zu schwingen, selbst wenn man die Hosen gestrichen voll hat. Das nennt man Mut, wenn man John Wayne glauben darf, und nach allem, was man weiß, darf man das zumindest in diesem Fall. Westernheld wird man ja nicht am Fluchtweg.

Und falls du dich fragst, ob ich auch dich, dein Team, deine Marke, dein Unternehmen dabei begleiten kann, ist die Antwort: ja! Das mache ich schließlich seit ein paar Jahrzehnten für internationale Megabrands, KMUs, Not-for-Profits & NGOs, Start-ups und für Einzelpersonen, von der Vorstandsetage bis zu Gründer:innen. Du weißt, wo du mich findest, zum Beispiel hier, wo du dir ein kostenloses Erstgespräch buchen kannst.

Es gibt sogar den idealen Zeitpunkt, mit seiner neuen Geschichte zu beginnen, und der ist jetzt. Denn es ist zwar nie zu spät für eine glückliche Kindheit, wie Erich Kästner wusste, aber je früher du beginnst, desto früher erlebst du: New Story. New Glory.

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