Am Anfang sind die Herzen voll, am Ende bloß noch die Schubladen gut gefüllt. Das ist die Kurzfassung vieler Strategie-Prozesse und Transformationsprojekte, mit denen ich immer wieder konfrontiert werde und die ich noch öfter beobachte. Und vermutlich kennst du das auch.
Schließlich ist aktuell und für noch längere Zeit alles im Umbruch, Change war gestern, Transformation ist heute, morgen wieder und übermorgen erst recht noch. Fortsetzung folgt. Eigentlich kann’s niemand mehr hören, am allerwenigsten das Wort Reform, weil jede:r weiß, dass keines dieser Projekte ohne Arbeitsplätze-Eliminierung auskommt, während die Workload bleibt.
ZU FAUL ZUM WEITERLESEN? DANN HÖR MIR ZU:
Im Blogcast lese ich Dir diesen aktuellen Blogartikel vor.
Mit Betonung, versteht sich.
So übernehmen Frust & Ratlosigkeit das Kommando. Bis zum nächsten Mal, wenn am Anfang wieder die Herzen voll sind, aber die Stimmen mehr und lauter werden, die eine meiner Lieblings-Destruktions-Parolen in die Welt quietschen: „Das funktioniert nicht, haben wir alles schon probiert …“
Nach zeitintensiven Manövern, Workshops, aufwändigen Beratungs-Marathons mit Consulting-Companies und Offsite-Meetings des Managements stapeln sich zwar grandiose Strategien und wohlstrukturierte Prozesse als PowerPoint-Files auf den Servern, die dann auch an die Führungskräfte der nächsten Ebene verteilt und in Townhall-Meetings und Teamklausuren projiziert werden (falls ClickShare ausnahmsweise funktioniert), dennoch kommt das meiste nicht dort an, „where the rubber hits the road“, wie es die Mad Men in den 1950er-Jahren so treffend formulierten.
Bestenfalls hängen noch Leitsätze als Parolen-Poster im Foyer, doch die Mitarbeitenden ziehen dran vorbei wie Schiffe an erloschenen Leuchttürmen in der finsteren Nacht.
Was wirklich fehlt
Häufig erreichen mich die Rufe nach meiner beratenden Begleitung eben aus diesen Schmerzenslöchern. Weil irgendjemand spürt, dass möglicherweise etwas mit dem Storytelling nicht klappt.
Das stimmt. Und das stimmt auch nicht, jedenfalls nicht ganz.
Richtig ist, dass in den meisten Fällen nicht die Strategie schlecht ist. Oft, umso schmerzlicher ganz im Gegenteil sogar.
Richtig ist auch, dass es mit dem Storytelling meist nicht klappt.
Doch was in Wirklichkeit fehlt, ist nicht ein besserer Prompt für ein AI-Tool oder ein Framing, das allen Sand in die Augen streut, indem es das Wort Stellenabbau durch Ressourcenoptimierung ersetzt, sondern die Story, die alles trägt, das Narrativ. Die Erzählung von einer besseren Zukunft für alle, an die alle glauben, weil sie daran glauben wollen. Und dann eben auch das praktische Können rund um Storytelling, ja, das auch. Narrativ-Kompetenz nennt man das in schöner Sprache. Diese zählt zu den entscheidenden 21st-Century-Leadership-Skills und man kann sie lernen. Bei mir zum Beispiel, Anruf genügt.
Exemplarisch ist derlei Ungemach in fataler Verbindung mit narrativem Unvermögen an der deutschen Autoindustrie zu beobachten, speziell bei VW. Bitte zuhause nicht nachmachen! Bloß nicht!!!
Der erzählende Mensch
Seit wir Homo sapiens durch die Zauberhand der Evolution die Fähigkeit zur Sprache und dann in der Folge unsere unsichtbare Superkraft des Geschichtenerzählens entwickelten und uns in den Homo narrans, den erzählenden Menschen, verwandelten, erklären wir uns und einander mit Geschichten, Narrativen, Storys, was ist, was sein soll, was werden soll, warum es werden soll und wofür das gut ist, was wir hassen, was wir lieben, was wir achten, was wir ächten.
Wie gut wir das erzählen, also, was wir an Storytelling drauf haben, spielt schon eine Rolle. Die Hauptrolle aber spielt die Story, die man auch als den Sinn der Sache bezeichnen kann, den Glaubenssatz, der dahinter steht.
Sechs Gesetze der Erzählung
Und so gelten sechs Gesetze tragender Narrative, von der bewohnten urzeitlichen Höhle bis in den rundum verglasten Corporate-Meeting-Room im Penthouse, von Hollywood bis Hollabrunn, von Brand Story bis Blockbuster heute und in alle Ewigkeit:
- Wer die relevanten Geschichten erzählt, gestaltet die Welt.
- Damit sich etwas verändert, müssen wir nicht bestehende Umstände bekämpfen, sondern das Narrativ dahinter verändern, also ein neues, besseres, relevantes Narrativ anbieten, damit das alte obsolet wird.
- Relevant ist nur, was für die Zuhörenden relevant ist, nicht für die Absender:innen. Die Geschichte muss von ihnen handeln, sonst wird sie nicht gehört.
- Menschen folgen nicht KPIs, Zahlen, Daten und Fakten, sondern dem, woran sie glauben können, einem großen Traum, dem sie angehören wollen. Deshalb sagte Dr. King ja auch „I have a dream“ und nicht „I have ein Strategiepapier, 200 PowerPoint-Slides und ein fettes Excel-File, das niemand lesen kann, weil die Schrift so klein ist, Amen.“
- Wer den Menschen Orientierung gibt und zeigt, warum sie relevant sind, warum es auf sie ankommt, an jeder Stelle des Organigramms, und wie sie ihr Potenzial dabei entfalten können, gewinnt ihre Herzen. Und wer die Herzen der Menschen gewinnt, kann mit ihnen tanzen, heißt es.
Antoine de Saint-Exupéry hat das in seinem berühmten Satz so gut zusammengefasst, dass man ihn in seiner gesamten Bedeutungswucht als Proseminar für das Studium der Führung mit Narrativen etablieren sollte: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“
Ins Prosaische übertragen, bedeutet dieser Satz nichts anderes als: „Wenn wir es schaffen, mit dem, was wir haben, mit dem, was wir können, hier und jetzt das bestmögliche Schiff zu bauen, werden wir von der Insel wegkommen und die Freiheit erlangen. Wenn wir es nicht schaffen, werden wir in Unfreiheit auf der Insel darben.”
Womit wir beim letzten Gesetz wären:
- Im Mittelpunkt jeder tragenden, sinnzentrierten, überzeugenden, begeisternden und also wirkungsvollen, weil bewegenden Geschichte steht immer ein zentraler Wert, der für alle Bedeutung hat, der gerettet, gestärkt oder überhaupt erst in die Welt gebracht werden muss.
Fehlt der zentrale Wert, ist jede Geschichte wertlos. Und mit Wert ist bitte nicht der Börsenwert gemeint, sondern ein wichtiges Anliegen, das unser Handeln trägt, treibt und unsere Arbeit zu einer Aufgabe werden lässt, die wir erfüllen und die uns schließlich selbst erfüllt. Freiheit etwa, wie im Beispiel des Monsieur Saint-Exupéry.
Erst wenn diese Narrativ-Gesetze erfüllt sind, kann mit dem Storytelling begonnen werden, denn erst dann gibt es in Tat und Wahrheit etwas zu erzählen. Ohne die gebotene Gesetzestreue wird nur verzapft oder verwirrt. Immer.
Narrative kann man finden, aber man darf sie keinesfalls erfinden. Die gute Nachricht dazu noch einmal: Das alles kann man lernen, und es ist gar nicht so schwer.
Was tun?
Ganz gleich, welche Strategie, welche Veränderung, welche Transformation, welche neue Idee du als Führungskraft in die Organisation und zu deinem Team bringen willst, gehe immer nach folgendem Stufenplan vor:
- Kenne deine Anliegenwerte oder zumindest den zentralen Anliegenwert, der durch deine Strategie verwirklicht, gerettet oder gestärkt werden soll. Und verwechsle dabei nicht die Dimension der Anliegen-/Warum-Werte (Beispiel: Freiheit) mit der Dimension der Wie-Werte (zum Beispiel Teamgeist).
- Verbinde die Anliegenwerte deines Unternehmens mit den Werten der Mitarbeitenden, mit dem, was ihnen wichtig ist, und übersetze das Anliegen deines Unternehmens in die Wünsche und Sehnsüchte deiner Mitarbeitenden.
- Wenn du diese Werte nicht kennst, beginne zuerst mit einer fundamentalen Wertearbeit. Das ist die Basis, der Kern und die Achse für alles Weitere. Wenn du dich darum herummogelst, wirst du scheitern. Ehrenwort.
- Wenn du das berühmte Warum deines Unternehmens im Kern nicht kennst, musst du das herausfinden. Denn jede weitere Strategie kann nur eine Interpretation dieses Warums sein.
- Wenn du das Warum gefunden hast, erweitere es unbedingt um ein Wofür und ein Für-wen. Denn das Warum hängt sehr oft an einem schmerzlichen Anstoß in der Vergangenheit, Wofür und Für-wen führen ins Potenzial und in die Zukunft, dorthin, wo wir etwas erschaffen und verbessern können. Zukunft ist übrigens nichts anderes als die Geschichte darüber, wo und wie wir leben wollen.
- Beginne immer von innen nach außen: Team vor Kund:innen, du vor dem Team. Denn wenn du deine eigene Geschichte nicht kennst, führst du weder dich selbst noch alle anderen. Was innen nicht (ein-)leuchtet, kann außen nicht strahlen, sondern nur blenden. Es wirkt wie ein Irrlicht, nur scheinbar.
Du bist dran
Wenn du ein Team von Führungskräften verantwortest oder selbst als Führungskraft dafür zuständig bist, dass Strategien oder Transformationsprozesse im Unternehmen verstanden, angenommen und gelebt werden, dann ist es eine deiner zentralen Aufgaben, über Narrativ-Kompetenz und Story-Skills zu verfügen oder dafür zu sorgen, dass alle sie bekommen. Man braucht das immer, ohne Ausnahme, wenn man nicht scheitern will. Denn wer das Hirn der Menschen anspricht, zielt daneben.
Zeit und Geld ins Erlernen von AI-Skills zu investieren, ist alles andere als verkehrt. Vor allem dann nicht, wenn du Gehilfe einer App werden willst, die dir vormacht, dein Sklave zu sein. Die Zukunft wird aber durch jene gestaltet, die als Führungskräfte inspirieren, motivieren und andere stark machen. Die unsichtbare Superkraft, deine Führungs-Kraft dafür ist Narrative Kompetenz. Die kannst du dann mit AI verstärken.
Man kann Menschen weder ändern noch motivieren. Alle Versuche scheitern, egal ob Belohnung oder Bedrohung, ob Obstkorb, ob Tischtennistisch oder Obstkorb am Tischtennistisch. Mit Gehaltserhöhungen kauft man Frust nicht weg, man vergoldet nur den roten Teppich zum Notausgang.
Was funktioniert, und ich scheue mich nicht zu sagen, das Einzige, was funktioniert, weil es auch das Einzige ist, das jemals funktioniert hat: Eine Person bringt mit einer begeisterten Geschichte, die für alle relevant ist, Bewegung in die Menschen und Menschen in Bewegung. Nur so entsteht Veränderung.
Das ist eine der Erkenntnisse, die ich in meinen Jahrzehnten der Beratungstätigkeit in Werbung, Marketing, Führung, Coaching und Mentoring nach langen Irrwegen und Versuchen, dagegen anzukämpfen, gewonnen habe. Ich wünschte, ich hätte diese Erkenntnis schon viel früher gehabt und teilen können. So hätte ich mir und vielen anderen jede Menge Ungemach ersparen können. Und vor allem hätte ich mein Potenzial, und das vieler anderer, nicht verschwendet und nicht allzu reichlich vom Gift des ungelebten Lebens abbekommen.
Du kannst bessere Storys besser erzählen.
Das ist die glühende Motivation, aus der ich als Keynote Speaker auf die Bühne gehe, um Menschen für eine Neue Story zu begeistern, und weshalb ich die New Story Academy gegründet habe. Weil ich hier mit meinem Team und meinen Kolleg:innen andere dabei unterstütze ihre neue – bessere – Story zu finden und sie besser zu erzählen.
Also Menschen so wie dich, die als Führungskräfte für sich selbst, ihr Unternehmen, ihr Team, ihre Marke oder sonst ein Vorhaben auf der Suche sind. Sie suchen nach dem tieferen Sinn, nach ihrer Aufgabe, ihrem Purpose, ihrem Anliegen, ihrem Meaning, ihrem Why, nenne es, wie du willst, damit sie die Zeiten der Multi-Umbrüche gut meistern können. Wir nennen es: Sie sind am Weg zu ihrer inneren Story.
Das gelingt, indem wir diese besonderen Menschen mit unseren Mentoring-Programmen und Workshops auf ihrer Suche begleiten und sie mit dem besten handwerklichen Know-how und außergewöhnlichen, praxiserprobten Werkzeugen ausstatten, damit sie ihre kraftvolle Story rasch und einfach finden, schreiben und erzählen können. Für persönliche Entwicklung, für Unternehmen & Marken, in der Teamführung sowie im praktischen Schreiben: vom Business-Alltag über Content und Präsentationen jeder Art. Und eben für Marken-Narrative, Change, Transformation und eine stärkende Unternehmenskultur.
Wenn Führungskräfte so Mehrwert schaffen, begründen sie resiliente Beziehungen zu Mitarbeitenden und Kund:innen, weil sie Purpose in Bedeutung verwandeln, ein Wow! auslösen und stärkende Wirkung haben. Bitte weitersagen!
Die Wirtschaft ist längst die mächtigste Narrativ-Maschine unserer Zeit. An ihr wäre ein Hebel für Verantwortung in Griffweite drangeschraubt, den man ziehen könnte, jede:r Einzelne von uns, dort, wo wir stehen, mit dem, was wir haben, hier und jetzt. Ein Schiff bauen.
Wenn du das machen willst für dich selbst, dein Team, dein Unternehmen und beratende Begleitung auf dem Weg vom Why zu Wow! und Wirkung brauchst, für dein sinnzentriertes tragendes Narrativ: Du weißt ja, wo du mich findest. Zum Beispiel auf meiner Website markusgull.com. Dort kannst du dir ein kostenloses Erstgespräch buchen und mich mit meinem Werkzeugkasten anlocken.
Und dann wird dein Werkzeugkasten mit allem bestückt, was dir an Narrativ-Kompetenz und Storytelling-Skills allerbeste Dienste leisten wird.
Denn wenn in unseren Zeiten von Umbrüchen, Change und Transformationen möglicherweise kein Stein auf dem anderen bleibt, so bleibt in alle Ewigkeit der Satz meiner Großmutter, der alten Story Dudette, bestehen, den sie als elftes Gebot auf die Steintafel des Moses meißelte: New Story. New Glory.


