An einer speziellen Stelle mache ich aus meiner Mördergrube kein Herz. Unmöglich! Es geht um das mir unerträgliche Storytelling-Gegurgle, das aus unzähligen Mündchen herausquillt und ringsum in Social Media-Profilen und Über mich-Websites einsickert, weil es schlichtweg zur Grundausstattung zu gehören scheint, wenn man sein kleines Licht auf den ganz großen Scheffel stellt. Storyteller:innen lauern uns hinter jeder Ecke auf.
Mitunter mache ich mir den Spaß, und frage die Storytellenden, was denn damit gemeint sei und wie sie das konkret machen. Meist sehe ich dann in Augen, die von ähnlicher Leere erfüllt sind, wie es meine Augen bei Physik- oder Chemieprüfungen im Gymnasium waren. Ein Blick sagt mehr als tausend Worte und unterm Strich sagt er: Ich habe nicht die geringste Ahnung! Wobei ich zu meiner späten Entschuldigung anmerke, dass ich damals in der Schule, im Gegensatz zu den Mitgliedern im Storyteller-Geschwader, nie behauptet habe, ich würde was können. Es handelte sich hier vielmehr um den unbegründeten Verdacht, den meine Lehrer:innen aus der allzu dünnen Luft griffen, in der er sich recht schnell auflöste. Ich schwieg und blieb also Philosoph, nach der uns in Latein vorgestellten Methode „Si tacuisses, philosophus mansisses” (Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben).
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Im Blogcast lese ich Dir diesen aktuellen Blogartikel vor. Mit Betonung, versteht sich!
Storytelling – Heldenreise – blablabla …
Storytelling also und schon ist es soweit. Es dauert nämlich selten lange, bis die Heldenreise ins Spiel kommt, jene mythologische Grundstruktur, mit der der Hl. Professor Joseph Campbell beschrieb, wie sich die Menschheit Geschichten erzählt, seit sie Geschichten erzählt und sich damit die Welt erklärt. Es gibt Wissenschaft, die sagt, der Homo sapiens konnte sich gegen den Neandertaler vor allem auch deshalb behaupten, weil er durch Geschichten Kooperation auf unterschiedlichen Ebenen ermöglichte und so das begründete, was wir heute Leit-Kultur und Gesellschaft nennen. Seit etwa 70.000 bis 100.000 Jahren entstehen derlei mythologische Metaphern, die sagen: „So sehe ich das Leben!” oder „So sollten wir das Leben sehen, damit es uns besser geht!”
Ja, mythologisch – nicht dramaturgisch! Auch wenn man die Heldenreise als Dramaturgiemodell, als die innere Struktur, nach der Geschichten ablaufen, lesen kann und sie auch dafür verwenden sollte. Aber nicht nur!
Meisterlich hat das Christopher Vogler vorgemacht. Seine Version der Heldenreise ist jene weithin bekannte mit zwölf Stationen, die er für Disney entwickelte. Star Wars aus der Feder des Joseph-Campbell-Verehrers George Lucas war das erste Drehbuch, das nach dieser Struktur geschrieben wurde. Eine große mythologische Erzählung und im Grunde König Artus im Weltraum der Zukunft.
Übrigens: die Campbell-Original-Heldenreise führt vom schmerzlichen Aufbruch bis zur Heimkehr der geläutert Verwandelten über 17 Stufen. Im Business, für Brand Storys etwa, brauchst du nur acht. Und im Grunde zuerst einmal nur die drei monomythischen Säulen des Story-ABC, die aber wirklich und ohne (!) Ausnahme:
Aufbruch aus einer schmerzlichen Situation in der bekannten, alten Welt.
Bewährung, die in der unbekannten neuen Welt zu erbringen ist.
Comeback mit gewonnener erhellender Erkenntnis als Gewinn für die Gemeinschaft, mit der die alte Welt nun verbessert wird.
Das gilt für Kampagnen, Postings, Pitches, Vorträge, Storytelling, Brand Story, Employer Branding … dein Leben … einfach für alles. Das Prinzip ist universell in uns Menschen angelegt wie das Betriebssystem in deinem Handy.
Wenn du wissen willst, wie das für dich und deine Aufgaben gelingt, kannst du das bei mir in der New Story Academy lernen.
Werte sind die Story-Hauptwörter.
Im Nukleus jeder echten, wahrhaftigen Story steht immer ein Wert, der aus der Perspektive der Erzählenden in Gefahr ist, gestärkt werden oder überhaupt erst ins Gespräch gebracht werden muss. Dieser Wert ist die Grundlage des Themas jeder echten Geschichte und das gilt für alles rigoros: von Blockbuster bis Brand Story. Auch wenn es allzu viele andersrum machen und den Rahmen (Framing) mit dem Bild verwechseln: Erst, wenn du für dich geklärt hast, was denn die Story ist, kannst du mit dem Storytelling professionell beginnen. Ohne die Wert-Achse, um die sich alles dreht, mag durchaus eine superunterhaltsame Erzählung entstehen, wogegen es nichts zu sagen gibt, doch eine Story, ein leitendes Narrativ, entsteht nicht. Es bleibt bei der Narration.
Meine Güte, das leitende Narrativ – auch so ein Buzzword. Der einzige Grund, warum ich nicht das Land verlasse, sobald es fällt: Es ist richtig und wichtig. Ähnlich verhält es sich mit Purpose, Meaning und Why: ausgelutscht und durchgegurgelt, dennoch substanziell bedeutend. Mitunter finde ich Trost im Gedanken, dass in einer Gruppe spezielle Aspekte vor allem dann verstärkt ins Gespräch kommen, wenn sie dort fehlen und eine große Sehnsucht danach besteht.
Werte, Purpose, Meaning, Why – die Treibsätze jedes Narratives, zumal im Business-Kontext und vor allem auch in der Politik. Und eben das fehlt. Und eben das ist so was von aus dem Ruder gelaufen, dass ich, wäre ich 100 Jahre jünger, „das crazy!” ausrufen würde.
Wenn in einer Gruppe, wenn in einer Gesellschaft die Geschichten aus dem Ruder laufen, verliert die gesamte Gruppe die Orientierung. Wie so was aussieht, kann bereits auf der Startseite jedes Nachrichtenportals besichtigt werden.
Ja, die kulturdefinierenden Storys unserer Gesellschaft sind aus dem Ruder gelaufen, das große Narrativ fehlt überhaupt. Die kollektive Heldenreise der Menschheit gleicht immer mehr einer Odyssee mit bedrohlichen Zyklopen, entwürdigenden Kirken und ablenkenden Sirenen, die uns im Griff haben. Von den Ausbringungen des aiolosschen Sacks der Winde ganz zu schweigen.
Unsere tragenden Storys? Das sind zum Beispiel „Gut gegen Böse und das Gute muss gewinnen, denn wir sind die Guten”, „Erfolg bedeutet materieller Erfolg, und Wohlergehen bedeutet wohlhabend sein”, „The winner takes it all”, „Ewiges Wachstum ist der Grundstein einer gesunden Wirtschaft”, „Mehr ist besser” und „Mit technologischem Fortschritt lösen wir alle Probleme”. In deren Windschatten hängen viele weitere Sub-Geschichten, die in Form von Glaubenssätzen unsere Kultur prägen und weite Teile der Menschheit zu Hauptfiguren einer Heldenreise als beispiellose Erfolgsgeschichte machen.
Ist Story Männersache?
Im Grunde geht es hier um zutiefst maskulin geprägte Narrative und es ist kein Wunder, dass hinter nahezu jedem großen Unglück ein schwacher Mann steht, der sich für stark hält. Es geht zum Beispiel um Besiegen, Bekämpfen, Beherrschen, Dualismus, Dominieren, Destruktion, Potenz, Kampf, Macht, Ich, Führung, Bemächtigung, Trennung, Materie, Unbesiegbarkeit. Mit dem Ergebnis, dass es uns zwar allen (noch) gut geht, der Einzelne sich aber nicht wohlfühlt. Der Planet steht als Lebensraum vor dem Kollaps, explodierende Zahlen von psychisch Erkrankten im Lebensleid namens Arbeit, Einsamkeitsepidemien, zerbröckelnde Demokratien, brodelnde Kriegsgefahren und mit AI erstmals ein Werkzeug, das auf eigene Faust agiert, also gar kein Werkzeug ist, sondern erstmals ein Agent, dessen Bedienungsanleitung hoffentlich nicht von Goethes Zauberlehrling verfasst wurde. Willkommen im Anthropozän, jener unserer Epoche, in der wir Menschen von allen möglichen Einflüssen den größten auf den Zustand des Planeten Erde haben.
Hm … Irgendwas geht sich hier nicht mehr aus in Sachen Heldenreise, oder, und es ist nicht zu früh, ein paar Dinge wieder auf Kurs zu bringen. Wie? Selbstverständlich nicht, indem wir die alten Geschichten bekämpfen, sondern, indem wir neue Optionen ins Spiel bringen, neue Narrative, die die alten verändern, korrigieren und ersetzen. Was immer sich ändert: zuvor ändert sich nämlich die Geschichte, die darüber erzählt wird. Verändere die Story, verändere die Welt. Noch nie hat etwas anderes funktioniert – im Guten wie im Schlechten allerdings.
So.
Was wäre, wenn?
Was wäre, wenn wir unsere kollektive Heldenreise in eine Heldinnenreise verwandeln? Damit ist nicht gemeint, dass Frauen als die Hauptfiguren in unseren Geschichten auftreten und dort denselben (excuse my french) Scheiß weitermachen wie es Männer seit immer tun. Auch von Superheldinnen aus dem Marvel-Universum ist nicht die Rede.
Es geht um veränderte Werterzählungen, es geht um das, was wir achten oder ächten, damit eine positive Zukunftserzählung genährt wird. Es geht um Begriffe wie Inklusion, teilen und teilhaben, begegnen, heilen, beflügeln, holistisch, betreuen, Ergänzung, Potenzial, Entwicklung, Ermöglichung, Wir, Entfaltung, Ermächtigung, Verbundenheit, Sinn, Offenheit.
Das könnten wir doch so oder so einmal ausprobieren, nur so zum Spaß. Wie wär’s? Alle Knaben dürfen und sollen kräftig mitmachen, denn hier stimmt: mehr ist besser.
Die NEW STORYteller, die echten, die wahrhaftigen, Werte-getragenen, sind die neuen Anführer und erzählen Geschichten durch ihr Vorbild im Handeln. Neue Geschichten, die uns stark machen – als Menschen, Unternehmen und Gesellschaft – von wahrhaftiger Verbundenheit von allem in allem, von grenzenloser Kooperation, auch und sogar in antagonistischer Kooperation, von Sinnerfahrung im Wachsen durch den eigenen Beitrag zum großen Ganzen.
Wie von allen guten Geistern herbeigewünscht entstehen dann neue Sub-Erzählungen und Glaubenssätze wie:
Mentor:innen sind die neuen Held:innen.
Füreinander ist das neue Gegeneinander.
Geist ist die neue Vernunft.
Sein ist das neue Haben.
Weltgestaltung ist das neue Arbeiten.
Purpose ist der neue Profit.
Gelingen ist das neue Gewinnen.
Tiefe ist das neue Mehr.
Unsere Heldinnenreise führt uns in die fünf großen Sehnsuchtsfelder des Menschen: Verbundenheit, Entfaltung, Sicherheit, Sinn und die daraus erwachsende Relevanz. Und es ist kein Wunder, dass die Zukunftsforschung (was immer das ist) eben jene Felder für die wichtigsten der Zukunft voraussagt. Bereiche, in denen Unternehmen und Marken tatsächlich reüssieren können, weil genau dort im Zuge unseres aktuell herrschenden und alles durchwuchernden Narrativs des kulturellen Kapitalismus, in dem auf alles und jeden der hektisch prüfende Blick nach Vernutzbarkeit fällt, ein Vakuum epischen Ausmaßes entstanden ist. Wenn Unternehmen dort Mehrwert schaffen, begründen sie resiliente Beziehungen zu Mitarbeiter:innen und Kund:innen, weil sie Bedeutung haben und geben. Auch Unternehmen und Marken dürfen sich auf Heldinnenreise begeben. Auch Unternehmen und Marken können Sinn stiften. Bitte weitersagen!
Los geht’s!
Wer die Geschichten erzählt, regiert die Welt. Lasst uns diese notwendige Aufgabe mutig annehmen! Lasst uns mit heißem Herzen, kühlem Kopf und ruhiger Hand so regieren, wie es wahre König:innen tun: indem sie fragen, was sie geben können, und so mit einer großen, neuen Geschichte unsere neue Welt bauen. Als optimistische Dolmetscher zwischen einer schöneren Zeit, in der wir alle leben wollen, und dem „Warum nicht”. Willkommen im Humanozän!
Wenn du hier für dich selbst, dein Team, deine Marke, dein Unternehmen eine Sehnsucht spürst, dann sollten wir besprechen, wie ich dich mit meinen Programmen und Tools aus der New Story Academy dabei unterstützen kann.
Mit den exklusiven Tools, Programmen und Methoden begleiten wir in der Academy Menschen, die sich um echte Markenarbeit bemühen, und ihre Brand Story mit authentischer Bedeutung aufladen wollen. Das gelingt oft schnell, mitunter reicht sogar eine einzige Session, weil eben dank eines gerüttelten Maßes an Erfahrung sowie intensiven Lernwerten aus gelungenen Projekten (und auch aus dem Gegenteil) ein nährstoffstrotzendes Kraftpaket zur Verfügung steht.
Auf der New Story Academy-Website findest du unter anderem ein besonderes Angebot für den raschen Vitaminkick, die PowerHour. Ausführliche Workshop-Programme gibt’s dort auch, für umfangreiche Aufgabenstellungen, die allesamt eines zum Ziel haben: dich und dein Team schnell und effizient in die Lage zu versetzen, eine bessere Brand Story zu finden und besser zu erzählen als das bisher gelungen ist. Damit dein Team, deine Kunden und Kundinnen schnell verstehen, was sie von dir haben und bekommen, wie sie ihr Potenzial entfalten können, warum das für sie relevant ist und damit sie deshalb zu dir kommen und bei dir bleiben. So einfach ist das unterm Strich.
Falls du darüber hinaus eine spezielle Frage hast, schick mir gerne eine Nachricht. Als Mitglied unserer Story Inside-Community kannst du dir aber auch direkt in meinem Kalender ein kostenfreies Check-In-Gespräch reservieren (online).
Warum mir das so wichtig ist? Ganz einfach deshalb, weil ich überzeugt davon bin, dass die meisten Menschen in ihren Jobs, mit ihren Unternehmen und Marken mehr Sinn finden wollen und sollen, als sie das bisher können und die KI-Umbrüche ein weites Feld an Chancen dafür aufmachen.
Die meisten von uns wollen sinnvolle Arbeit leisten und den Sinn der Arbeit an ihr Team vermitteln, weil sie wissen, wenn du deine ureigene Aufgabe erfüllst, dann erfüllt dich das. Und zwar ganz lebensnah und handfest, jenseits von wundersamen „Lebe deinen Traum”-Versprechen, die vor allem das Konto der amtierenden Gurus (meist Storyteller), aber nicht deine klaffende Lücke füllen.
In unserer Community sind die meisten auf diese ermutigende Tonlage gestimmt. Sie verstehen, dass wir in der sogenannten Wirtschaft den wirkmächtigen Hebel in der Hand haben, die düsteren Narrative unserer Zeit über Dualität, Dominanz und Destruktion in eine neue Geschichte – die New Story – zu verwandeln. Das ist die Geschichte von Verbundenheit, entfaltetem Potenzial und gefundenem, erlebtem Sinn. Diese New Story schreiben wir dann, wenn wir einander unterstützen.
Meine Großmutter, die alte Story Dudette, hat als Heldin jeder ihrer Reisen über diese Odyssee ein Werk verfasst, unter dem vielsagenden Titel: „New Story. New Glory.”



