Markus Gull
Mann mit Zeugnis und Abschlusskappe wirft die Arme in die Höhe

Lauter Einser?

„It’s the most beautiful time of the year” pfeifen die Spatzen von den Dächern, wenn sie sehen, wie Schüler:innen in die großen Ferien eilen während an den Hochschulen die Absolventenhüte in die Luft fliegen. Mit „Nie mehr Schule!” stimmt der Falke ein. Einerlei ob das Jahr mit lauter Einsern endet, eine Nachprüfung im Herbst, das Sitzenbleiben sogar, oder nun endlich der Einstieg ins so genannte echte Leben angesagt ist: jetzt sind mal Ferien. Für die meisten, wenigstens ein bissel, ob Vorzugsschüler:in oder Lümmel von der ersten Bank.

ZU FAUL ZUM WEITERLESEN? DANN HÖR MIR ZU!

Im Blogcast lese ich Dir diesen aktuellen Blogartikel vor. Mit Betonung, versteht sich!

Gute Schüler. Gute Lehrer. Was ist denn das? Woran erkennt man das? Viele werden sagen: „An ihren Noten sollt ihr sie erkennen.” Woran denn sonst? Drum gibt’s die ja!

Ist das so?

Oder sollten wir an dieser Stelle das tun, was man sowieso tun sollte, nämlich Professor Gerald Hüther zuhören, der sagt: „Ein guter Schulabschluss ist kein Indikator für Intelligenz, sondern von guter Anpassungsfähigkeit. Der eigentliche Schatz, den wir fördern müssten, ist die Begeisterung am eigenen Entdecken und Gestalten, das Tüftlertum, die Leidenschaft, sich mit etwas Bestimmtem zu beschäftigen. ”

Über Schule und Lehrer haben wir alle Geschichten zu erzählen viele davon sind sogar lustig, jedenfalls im von der Nostalgie weichgezeichneten Bild des Rückspiegels. In Summe liegt hinter den Geschichten über Schule und Ausbildung jedoch eine andere, eine giftige, deren Leitidee lautet: „Du musst entsprechen, damit du wertvoll/liebenswert/zugehörig bist!” Und wenn nicht, wenn du zu viele Fehler machst, bist du plötzlich selbst ein Fehler, fehl am Platz. Der Prototyp einer BUST. Diejenigen, die beim Englischvokabeltest alles wissen, wissen: BUST bedeutet Pleite, Reinfall oder Flop. Die Pfiffigen aus der New Story Academy wissen, BUST steht für BUllshit STory, also für jene Geschichten, die man uns seit Generation unreflektiert reinlöffelt und die schließlich zu unseren Glaubenssätzen werden.

Diese BUST beginnt in aller Regel, bereits bevor noch die Schwelle zum Kindergarten überschritten wird, mit Einleitungen wie: „Sei so!” „Sei nicht so …!” „Du bist so …!”

Sei dies, sei das, sei anders, sei nicht so wie du bist, sondern so, wie man’s von dir erwartet.

Weil dann … hm … dann funktionierst du. Dann bist du brauchbar, nützlich, nutzbar. Dann kann man etwas aus dir herausholen, was man zum eigenen Wohl verwerten kann, egal, was wirklich in dir stecken würde. Dann wirst du ein schnurrendes Zahnrad in der Human Resources-Maschine, in der das Betriebsmittel Mensch Wohlstand für alle erzeugt. Den erkennen wir wiederum unter anderem daran, dass wir uns möglichst viel leisten können und die Wirtschaft fleißig wächst. Naja, das tut sie aktuell einigermaßen verhalten. Kräftiger wachsen die Zahlen der psychisch Erkrankten. Eben lese ich bei Dr. Chatterjee (einem der einflussreichsten britischen Ärzte), dass weltweit eine Milliarde Menschen Symptome psychischer Probleme aufweisen. Zumal junge Menschen. Zumal jene, die wir die „Erfolgreichen” nennen.

Was gibt’s im Schulbuffet?

Erzählen wir uns hier wirklich die richtigen Geschichten, solche, die uns stark machen? Oder führen wir uns, wenn auch gut gemeint, seit Aber-Generationen selbst an der Nase herum?

Steckt in diesem Sumpf die Wurzel dafür, dass nur noch rund 15 Prozent der in Arbeit stehenden Menschen einen inneren Bezug zu ihrem Beruf haben und der große, traurige Rest Dienst nach Vorschrift runterbiegt oder bereits innerlich gekündigt hat? Und am Heimweg vom Afterwork-Event extrabreit „Hurra, Hurra die Schule brennt!” trällert?

Keimt da drin die wachsende und immer offensichtlicher brodelnde Sehnsucht nach Sinn im Beruf, die sich in wuchernden Coaching-Angeboten namens „Lebe deinen Traum” und „Finde deine Bestimmung!” spiegelt?

Im Schulbuffet gibt’s Cola, im Klassenzimmer wird das Gift des ungelebten Lebens serviert. Und in der Bibliothek wartet die Erstausgabe von Maximilian Glanz’ „Woran es liegt, dass der Einzelne sich nicht wohl fühlt, obwohl es uns allen so gut geht.”, als Handreichung für alle, die fest davon überzeugt sind, Goethe würde im Vornamen Fackju heißen.

Wir erzählen uns die Geschichte von Schule und Bildung völlig falsch und das beginnt bereits damit, dass wir die offizielle Organisation von Informationsweitergabe als Bildungssystem bezeichnen.

Wir müssen uns gar nicht mit anekdotischen Gassenhauern über die Genies, die in der Schule versagten und den Erfolgsgeschichten der Studienabbrecher von gestern als Wirtschaftsheroen von heute aufhalten. Es geht im Kern um nicht weniger als um das Bild vom Menschen, das wir haben, vom Bild, das wir von uns selbst haben.

Es geht um die große, ewige unendliche Geschichte, die von uns allen handelt und nicht weniger beschreibt als, warum wir Menschen als Spezies da sind. Oder sein könnten.

Wir sind diejenigen, die wachsen müssen, damit sie gesund bleiben, und nur daran wirklich wachsen können, dass sie etwas erschaffen, verbessern, heilen. Für die einen mag das in ihrem Beruf stattfinden, für andere im Elternsein, manche gründen ein Unternehmen, andere reparieren Häuser oder Herzklappen. Am Ende ist etwas besser als vorher. Dann ist eine Aufgabe erfüllt – miteinander, füreinander. Dann ist Potenzial entfaltet, Leben gelebt, Sinn erlebt.

Gegen Profit gibt’s im Prinzip nicht das geringste einzuwenden. Wirtschaftlicher Erfolg, Karriere und Sinnerleben schließen einander weißgott nicht aus. Nur sollten wir das alles nicht miteinander verwechseln oder junktimieren. Und schon gar nicht, den eigenen Wert oder den Wert anderer daran messen, worin man von ihnen profitieren kann. Denn dieses herrschende Vernutzen von allem und jedem als Auswuchs instrumenteller Vernunft, das kriegsgewinnlerische Vermarketingsen von brennenden Sehnsüchten, das führt zu … siehe oben. Dazu habe ich mir einen Satz von Viktor E. Frankl gemerkt: Wenn ein Mensch keinen tiefen Sinn finden kann, lenkt er sich mit Vergnügen ab.” Oder er wird krank. Wird destruktiv. Wird aggressiv.

Die NEW STORY macht Schule.

Die Geschichte, die wir uns über Schule, Ausbildung und Bildung erzählen, braucht kein Update. Wir brauchen viel mehr eine radikal neue Geschichte, eine NEW STORY. Sie handelt nicht mehr von Wissen und Zensuren, sondern von der Potenzialentfaltung. Sie handelt vom Beitrag jedes Menschen zu etwas größerem Ganzen. Sie handelt vom Wachsen aus sich selbst, in sich selbst und über sein Selbst, über die Selbstverwirklichung hinaus, hinein in erlebten Sinn. So wachsen jene Bäume in den Himmel, die wir pflanzen, obwohl wir wissen, dass wir ihre Früchte niemals genießen werden, um am Baum der Weisheit des Rabindranath Tagore zu naschen.

Damit erzählen wir – als Spin-off quasi – die Geschichte der Lehrer neu. Sie bekommen somit ihre wahre Aufgabe zurück, nämlich über die von Ausbildnern und Wissensvermittlern hinaus: Verwandlungsbegleiter. Sie erkennen in den Raupen bereits das Prachtpotenzial des künftigen Schmetterlings, selbst wenn alle anderen nichts als ein Kriechtier sehen. Vermutlich ist „Die kleine Raupe Nimmersatt” deshalb so beliebt, weil Eric Carle damit eine große Geschichte der Hoffnung teilt: „Ich nehme an, die meisten Kinder können sich mit der hilflosen, kleinen, unbedeutenden Raupe identifizieren, und sie freuen sich darüber, wenn sich die Raupe in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt. Ich denke, darin steckt eine Hoffnungsbotschaft: Ich kann auch groß werden. Ich kann meine Flügel auch ausbreiten und in die Welt fliegen. ”, sagte er.

Überall dort, wo sich diese Ausübenden eines Lehrberufes – von Kindergarten und Schule über Lehrbetriebe bis hin zu den Universitäten – bereits heute so verstehen, treten nicht notwendigerweise Einser-Schüler:innen ins Leben, aber Menschen, die liebevoll mit sich selbst sind und liebevoll mit ihren Mitmenschen. Sie haben ihre Story gefunden, sie haben ihre Geschichte entdeckt, sie sind am Weg auf ihrer Heldenreise, auf der ihnen ihr innerer Leuchtturm den Weg weist. Hin zu Selbtwirksamkeit und Selbstermächtigung in und für eine starke Gemeinschaft.

Sie haben es also nicht nötig, sich über das Besiegen anderer zu definieren. Sie müssen nicht auf andere losgehen. Sie wollen nicht andere erledigen. Sie können beflügeln, aufeinander zugehen, ermächtigen und sind somit selbst Träger der neuen Geschichte für uns alle, die wir so dringend brauchen, weil sie uns in Verbundenheit stark macht – als Menschen, als Unternehmen, als Gesellschaft.

Hörst du noch das Lied in dir?

„Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir”, erzählt man den Kindern bis heute landauf landab. Daran sehen wir einmal mehr, dass die Storys, die wir uns selbst und einander erzählen, aller meistens Problem und Lösung gleichzeitig sind. Wir haben die Wahl der Perspektive.

Machen wir es doch wie John Keating aus dem famosen Film „Der Club der toten Dichter ”, der da sagte: „Ich stelle mich auf meinen Tisch, um mich daran zu erinnern, dass wir die Dinge immer wieder neu betrachten müssen.” Niemand kann uns daran hindern. Also: rauf mit uns auf die Tische. Womöglich sehen wir dann neue Spatzen auf neuen Dächern und hören ein altes Lied. Das Lied von unserer wahrhaftigen Geschichte, gesungen von unserer inneren Stimme, die Mut macht, damit nicht passiert, wovor uns Henry David Thoreau warnt: „Die meisten Menschen führen ein Leben in stiller Verzweiflung und gehen mit dem Lied, das sie noch in sich haben, ins Grab.”

Bekanntlich ist es nie zu spät für eine glückliche Kindheit.  Womöglich willst du also die großen Ferien nützen, um für dich selbst, deinen Beruf, dein Unternehmen, dein Team oder deine Marke die Fragen nach dem wahren Wert, dem Warum, dem Wofür, dem Sinn deiner Arbeit beantworten. Oder du machst dich auf die Suche nach den entscheidenden Fragen über deine Aufgabe, deine neue Geschichte, deine NEW STORY und stehst wie viele, viele andere vorm Aufbruch, bereit zur Verwandlung. Dafür wünschst du dir vermutlich unterstützende Begleitung durch einen Mentor, der ein glühendes Fragezeichen als Zeigestab benutzt. Und wenn du das Gefühl hast, ich könnte dieser für dich sein, wäre es mir eine Ehre, dich mit meinen NEW STORY-Programmen dabei zu begleiten. Sommercamp mal anders, sozusagen. Alles dazu findest du hier,  hier oder hier.

Wenn wir uns also dieser Tage, wie’s die Jahreszeit gebietet, an unsere ersten und letzten Schultage erinnern, fallen uns vermutlich auch diese oder jene Lehrer:innen ein. Die schrulligen, die lustigen, die strengen, die unfähigen, die begeisternden. Hoffentlich gab’s in deiner Geschichte auch jene seltenen Persönlichkeiten, die dein Potenzial erkannten und weckten, jenseits von römischem Einser und Versagensangst.

Meine Großmutter wiederum, die alte Story Dudette, kann sich überhaupt nicht an ihren ersten Schultag erinnern, über den die Chronisten zu berichten wissen, sie hätte ihre Schultüte geraucht und sodann mit flinker Hand auf die Tafel geschrieben: New Story. New Glory.

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